Favorit Bulgarien
Wie früher daheim

Mehrfach habe ich das bitterarme europäische Land, vor allem das Gebiet der Rhodopen bereist. Der Grund dafür ist vermutlich der, dass hier infolge einfachster Landwirtschaft eine große Artenfülle in der Kulturlandschaft zu finden ist. Wie früher daheim.

Zusammenbruch der Dörfer überall im Land zu finden
Zusammenbruch der Dörfer überall im Land zu finden

Favorit Bulgarien

Fünf Reisen, zwischen 2012 und 2022, haben mich in das bitterarme EU-Land Bulgarien geführt. Warum diese Vorliebe für ein Gebiet mit wenig touristischen Attraktionen? Vermutlich gerade deshalb! Ich fühle mich hier, besonders in der Gebirgslandschaft der Rhodopen sehr wohl, weil mich die dort immer noch praktizierte einfachste Form der Landbewirtschaftung stark an meine Kinder- und Jugendzeit in meinem kleinen Heimatort Kölschhausen erinnert. Hier habe ich noch den Einsatz von Kühen und Pferden zum Beispiel bei der Feldbestellung, der Heuernte oder dem Holzrücken im Wald erlebt. Mit dieser einfachen Form der Landwirtschaft verbunden, auch durch Strukturreichtum, geduldete Unordnung, kaum zum Einsatz kommende Chemie und andere Faktoren, ist eine Artenfülle an Blumen und Tieren zu erleben, die man bei uns heute so nicht mehr findet. Es darf aber nicht vergessen werden, dass dies für die Menschen, die davon leben müssen, pure Armut bedeutet. Also bleiben nur die Alten; es herrscht eine gigantische Landflucht. Viele Häuser fallen zusammen, zahlreiche kleine Dörfer sind bereits völlig verlassen.
Allerdings, das habe ich bei meiner/ unserer letzten Reise in die Tiefebenen des Donautales 2022 gesehen, gibt es auch in Bulgarien Gegenden wo Intensivlandwirtschaft mit Großgeräten auf riesigen Flächen betrieben wird. Hier prägen Monokulturen von Weizen, Mais und Sonnenblumen das Landschaftsbild. Folglich fehlt der Artenreichtum, was mir persönlich am stärksten bei der Tiergruppe der Insekten auffällt. Das Bild der verlassenen Dörfer ist nicht anders als in den Gebirgsregionen. Es herrscht eine große Landflucht. Nur die Alten bleiben in den Dörfern.

Die Fortsetzung der Reisen nach Bulgarien hat vermutlich auch noch einen anderen Grund. Bei allen Reisen hat mich/ uns der nicht nur auf seinem Fachgebiet der Herpetologie äußerst kenntnisreiche, sondern auch in der Reiseleitung besonders begabte, mittlerweile als Freund zu bezeichnende Dr. Miroslav Slavchev betreut. Es ist lehrreich und unterhaltsam zugleich mit ihm zu reisen. Sicher ist diese Verbundenheit, wie auch der Charme einer vielgestaltigen Landschaft ein Anlass, Bulgarien weitere Male zu besuchen.
Miro bei der Tannenhäherfotografie im Vitoshkogebirge bei Sofia (März 2014)
Miro bei der Tannenhäherfotografie im Vitoshkogebirge bei Sofia (März 2014)

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